Jul 132011
 
Kommentar von Dirk Alfter Eine gute Idee, das Wechselkennzeichen. Endlich mal ein Vorschlag, der Autofahrer spürbar entlastet. Kurz gefasst: Drei Autos sind angemeldet, Steuern und Versicherung fallen nur für das teuerste Fahrzeug an. Gefahren werden darf nur ein Vehikel. Leider bleibt es nur bei der Idee, denn der letzte Gesetzentwurf, der 2012 in Kraft treten soll, beschneidet die angedachten Vorteile dermaßen, dass nur noch eine armselige leere Hülse übrigbleibt. Die Oldtimer-Szene hatte sich schon gefreut. Endlich ein vernünftiger Ersatz zur roten 07er-Nummer, die ja bereits seit geraumer Zeit nur noch für Fahrzeuge ab 30 Jahren gilt. Das Wechselkennzeichen, das Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vielversprechend angekündigt hatte ist allerdings eine Nullnummer. Jedenfalls dann, wenn man damit seine Youngtimer versichern will, ohne exorbitante Kosten zu haben. Denn für die Sammlung von U30-Autos sieht der Gesetzentwurf keine Verbesserung vor. Der erste Dämpfer: das Kernproblem Steuer. Diese fällt für alle Vehikel weiterhin an, so will es Finanzminister Wolfgang Schäuble. Gerade für Youngtimer-Fans die ihre Fahrzeuge ins Alter pflegen eine teure Angelegenheit, insbesondere bei Diesel-Modellen. Das Wechselkennzeichen ist für Alt-Auto-Fahrer damit nur noch eine theoretische Alternative, denn wirtschaftlich ist es bereits an dieser Stelle nicht mehr. Zweiter Punkt: Auch die Versicherer wollen keine Policen nach österreichischem Vorbild, also die teuerste Versicherung muss gezahlt werden, die anderen Vehikel sind damit auch versichert. Allenfalls Rabatte soll es geben. Nach nennenswerten Einsparungen hört sich das nicht an. Dem nicht genug, dürfen nur zwei statt drei Fahrzeuge mit einem Wechselkennzeichen fahren. Herr Ramsauer, danke für die nette Idee! Besser wäre es aber gewesen, die Idee als nicht durchsetzbar zu begraben. Das wäre ehrlich gewesen. Das Ergebnis was jetzt zu drohen scheint, hilft niemand. Nicht einmal Käufern von Elektroautos, denn stromangetriebene Karossen sind ohnehin von der Steuer befreit. Schlimmer noch: mit dem Wechselkennzeichen unterzögen sie sich dem Zwang, nur ein Auto fahren zu dürfen und das andere auf dem Privatgrundstück oder in einer Garage zu parken. Nein, diese Lösung braucht niemand und Kaufanreize bietet sie erst recht nicht. Komisch, dass gute Ideen sich nicht durchsetzen, grober Unfug wie Abwrackprämien als toller Wurf bejubelt werden.